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Grossformat macht grossen Eindruck

Der Grossformatdruck wird auf der Drupa 2012 eine grosse Präsenz haben. Die Technologie wird durch die Anforderungen des Marktes vorangetrieben, wodurch immer ausgereiftere Lösungen entstehen. Dies eröffnet auch klassischen Druckereien neue Geschäftsfelder.

Cary Sherburne Viele Branchenbeobachter sprachen von der Drupa 2008 als der «Inkjet-Drupa» und sie hatten in vielerlei Hinsicht recht. Im Anschluss an die Drupa 2008 brachten zahlreiche Anbieter Vierfarb-Inkjet-Hochgeschwindigkeitslösungen auf den Markt, die auf der Drupa als Produkt oder Konzept vorgestellt worden waren. Und diese Produkte kommen nach wie vor auf den Markt.

Im Vorfeld der Drupa 2012 stellt sich wiederum die Frage, welche Technologien im Mai in Düsseldorf vorgestellt werden, die den Wandel auf dem Druck- und Publishing-Markt vorantreiben. Erneut können wir davon ausgehen, dass der Inkjet-Druck im Spektrum neuer Technologien der Aussteller einen wichtigen Platz einnehmen wird. Obwohl er sicher im Produktionssektor umfassend vertreten sein wird, können wir uns auch schon auf eine «grosse» Präsenz im Grossformatmarkt freuen, da die digitalen Angebote in diesem Bereich immer ausgereifter werden, ein immer besseres Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen und bei vielen Anwendungen konventionelle analoge Schilder- und Display-Technologien wie den Siebdruck verdrängen.

Der Grossformat-Markt

Digitale Grossformatdrucker sind kein neues Phänomen auf dem Schilder- und Display-Markt. Neu aber ist das Tempo, mit dem sich diese Technologie in Bezug auf Qualität, Druckgeschwindigkeit und die Palette der Anwendungen, die mit digitalen anstatt mit analogen Produktionsprozessen realisiert werden kann, weiterentwickelt hat. Genauso wie der Offsetdruckmarkt die Forderungen der Einkäufer nach kleineren Auflagen, kürzeren Lieferzeiten und relevanteren Inhalten, die den Übergang der Produktion zu digitalen Prozessen beschleunigen, erfüllen muss, vollzieht sich dieser Wandel auch auf dem Grossformat-Markt. Und die Technologie, die diesen Bedarf befriedigen kann, ist bereits vorhanden.

Auch Innovationen sind weiter an der Tagesordnung. So gibt EFI beispielsweise an, dass seine neue «Cool Cure» LED-Trocknung für seine Vutek-Modelle die gleiche Geschwindigkeit wie UV-Lampen erreicht, aber weniger Energie verbraucht, aufgrund der geringeren Wärme auf dünneren, preiswerteren Substraten drucken kann und weniger kostet, da keine Lampen mehr gewechselt werden müssen. Scott Schinlever, Senior Vice President von EFI und General Manager für Inkjet Solutions, geht davon aus, dass bis zur Drupa andere Zulieferer mit LEDs auf den Markt drängen werden.

Fujifilm Graphic Systems hat ein Produkt eingeführt, das als Cross-Over zwischen dem Akzidenzdruck und dem Schilder- und Display-Druck gelten kann. Die Fujifilm J-Press 720, ein Inkjet-Bogendrucksystem für das Halbformat (29 Zoll), wurde zwar für den Akzidenzdruck entwickelt, ist aufgrund des Bogenformats und der Qualität aber auch für kleinere Schilder und Displays wie etwa POP-Materialien geeignet. Dieses Konzept kann Akzidenzdruckereien den Weg in den Schilder- und Display-Markt ebnen, denn die Druckmaschine ist auch einsetzbar, um traditionelle Akzidenzen in kleinen Auflagen herzustellen. Darüber hinaus ist Fujifilm in den USA der alleinige Distributor der Inca-Onset-Drucker und bietet seine eigenen UV-Drucker der Reihe Acuity mit Flachbett-/Rollenzuführung sowie die Uvistar-Drucker mit Rollenzuführung weltweit an.

Ein Grossteil dieser Technologie wird durch die Anforderungen des Marktes vorangetrieben. Im Juni 2011 hat das Marktforschungsunternehmen Infotrends unter dem Titel «Who Buys Wide Format 2011» eine Studie abgeschlossen, die mehr Daten zu den Einkäufern von Grossformatprodukten sammeln sollte. Diese Untersuchung verfolgte das Ziel, das Verständnis für die Anforderungen der Grossformat-Einkäufer zu erhöhen und Änderungen im Kaufverhalten gegenüber der vorangegangenen Studie aus dem Jahr 2009 zu erkennen. Obwohl es sich hier um eine nordamerikanische Arbeit handelt, zeigt sie Käuferanforderungen auf, die weltweit wahrscheinlich ähnlich sind. Mehr als 300 Einkäufer beantworteten die Umfrage, welche die Grundlage der Studie bildete.

Anwendungen und Einkaufverhalten

Die Untersuchung ergab, dass Banner, Poster und Schilder die führenden Grossformat-Anwendungen bleiben, während der Anteil der Fotografie im Vergleich zu 2009 zunahm: 2011 gaben 42,6 Prozent der Einkäufer an, Foto-Anwendungen zu ordern. 2009 waren es noch 30 Prozent. Bei Zeichnungen, Proofs, Fahnen und Textilien war ein stärkerer Rückgang zu verzeichnen, während andere Anwendungen relativ stabil blieben. Im Durchschnitt gaben die Einkäufer an, 5,4-mal pro Jahr Grossformat-Anwendungen zu bestellen. Das ist ein geringfügiger Anstieg gegenüber 2009. Die Studie von 2011 stellte fest, dass der durchschnittliche Auftragsumfang 36,5 Drucke beinhaltete. Dieser Wert gibt der digitalen Produktion gegenüber althergebrachten analogen Verfahren den Vorzug.

Qualität, Preis und Geschwindigkeit sind die drei wichtigsten Faktoren für die Auswahl eines Druckdienstleisters von Schildern und Displays. 2009 noch war der Preis das Hauptauswahlkriterium. Diese Schwerpunktverlagerung hat auch Linda Bell, CEO von Inca Digital Printers, festgestellt: «Es hat sich ganz klar einiges verändert. Die Kunden sind mit der Technologie vertrauter und anspruchsvoller in Bezug auf das, was sie ihnen bieten soll. Sie sind daran interessiert, unterschiedliche Arten von Drucken und Veredelungen sowie eine höhere Ausgabequalität zu erhalten, als wir es von früher her kennen. Und da sie bereits eine gewisse Vorstellung von der Druckgeschwindigkeit haben, geht es jetzt weniger um Tempo als um Qualität.» Daher hat Inca kürzlich Drucker mit höherer Qualität und geringerem Durchsatz eingeführt. Die Modelle S20 und S40 erlauben darüber hinaus, zwischen glänzenden, satinierten und seidenmatten Oberflächen zu wählen.

Trotzdem spielt die Geschwindigkeit immer noch eine Rolle, und die meisten Anbieter setzen weiter auf eine Erhöhung des Durchsatzes durch breitere Druckbetten und höhere Druckgeschwindigkeiten. Scott Schinlever von EFI meint: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Druckköpfe und der Drucksysteme an sich erhöht sich exponentiell. Für die Anbieter von Drucksystemen wie EFI, Durst oder Inca ist es nicht weit hergeholt zu sagen, dass wir irgendwann ein Produkt haben werden, dass so schnell oder schneller ist als eine vollwertige Siebdruckmaschine, was die Bedeutung von integrierten Workflow-Lösungen, die über die Druckmaschine hinausgehen, noch erhöhen wird.»

Optimierung der Schilder mit QR-Codes

Zu den interessanteren Erkenntnissen der Einkäuferstudie von Infotrends gehört, dass 20 Prozent der Einkäufer von Schildern und Grafiken in ihren Drucksachen bereits QR-Codes und andere interaktive Medienelemente nutzen, und dass mehr als 90 Prozent von ihnen planen, auch in Zukunft interaktive Elemente einzusetzen. 70 Prozent der Einkäufer würden QR-Codes und andere interaktive Elemente in ihren Grossformat-Drucksachen in Erwägung ziehen. Das ist eine grosse Chance für die LFP-Dienstleister, die ihre Einkäufer über den Wert interaktiver Elemente aufklären sowie diese Dienstleistung in ihr Portfolio aufnehmen können, um den Mehrwert für die Einkäufer zu erhöhen und für sich selbst neue Umsatzströme zu erschliessen.

Digitale Displays sind keine Bedrohung

Das Aufkommen digitaler (elektronischer) Schilder wurde als Bedrohung für den Schilder- und Display-Markt angesehen. Viele befürchteten, diese würden das gedruckte Schild verdrängen. Der Infotrends-Studie zufolge ist es dazu jedoch nicht gekommen. Nur elf Prozent der Befragten haben digitale Displays gekauft, obwohl 38 Prozent dies planen würden. Diese Käufe scheinen jedoch kaum Auswirkungen auf gedruckte Grossformate zu haben, denn 76 Prozent der Befragten gaben an, dass sie digitale Displays zusätzlich zu den gedruckten Grossformaten einsetzen würden.

Der digitale Technologie-Mix

Diese digitale Dynamik treibt in zunehmendem Tempo einen Keil in den traditionellen Siebdruckmarkt, und viele Siebdruckereien ergänzen ihr Produktionsportfolio um digitale Technologien. Analog zu den Entwicklungen im Offsetbereich wird es geeignete Anwendungen für den Siebdruck geben, die in absehbarer Zukunft mit den digitalen Technologien einfach nicht wirtschaftlich zu produzieren sind. Doch die heute digital produzierbare Palette von Anwendungen wächst exponentiell. Viele glauben, dass die einzigen nicht digital produzierbaren Siebdruck-Anwendungen sich auf Spezialtinten wie Metallic- und fluoreszierende Farben konzentrieren, die bis auf Weiteres wohl kaum digital zur Verfügung stehen werden. In Bezug auf spezifische Anwendungen wird der Bekleidungsdruck der letzte grosse Bereich sein, der auch langfristig vom Digitaldruck übernommen werden wird.

Tinten

Eine Möglichkeit zur Unterteilung des Grossformat-Marktes besteht in den verschiedenen Tinten. Infotrends teilt die Tinten in drei grosse Kategorien ein:

  • Wasserbasierte Tinten, einschliesslich der beständigen, wasserbasierten Tinten wie die Latex-Tinten von HP als Unterkategorie.
  • Solvent-/Eco-Solvent-Tinten, die einst den grössten Marktanteil besassen, aber gegenwärtig von den beständigen, wasserbasierten Tinten und der dritten Kategorie, den UV-härtenden Tinten, verdrängt werden.
  • UV-härtende Tinten haben den Markt erobert und UV-Drucker machen den Löwenanteil der Geräte-Neuauslieferungen auf dem LFP-Markt aus, da Druckdienstleister sich von den Solvent-Tinten trennen.

Der UV-Druck gewinnt in Europa schneller an Boden als in Nordamerika, aber langsamer als in den aufstrebenden Märkten wie China und Lateinamerika, wo die behördliche Kontrolle weniger streng ist. Tim Greene von Infotrend meint: «In Nordamerika ist das digitale Grossformat noch ein Geschäft mit einer ziemlich hohen Rendite. Dies im Unterschied zu China, wo Solvent-Tinte die meistverbreitete Technik ist, und die Druckereien für den Liter Tinte einen Zehntel des Preises zahlen, den eine nordamerikanische Druckerei aufbringen müsste. Die Chinesen haben den Preis gedrückt und verkaufen Grossformate für 3.80 US-Dollar pro Quadratmeter, die früher einmal ganze 30 bis 40 US-Dollar gekostet haben.»

Tim Greene betont auch, dass Druckereien in stark regulierten Märkten wie beispielsweise in Westeuropa und Nordamerika eine von ihm als «Cross-Shoring» genannte Vorgehensweise anwenden, um bestimmte Kundenanforderungen zu erfüllen. So bestellen sie vielleicht Druckprodukte, die auf weniger umweltfreundliche Weise in Polen produziert werden und liefern das Endprodukt dann nach Grossbritannien. In diesem Fall erfüllt die Druckerei sowohl die Anforderungen des Kunden als auch der Behörden, da der Druck nicht in Grossbritannien produziert wird.

«China begann mit Solvent-Tinten, während Nordamerika und Westeuropa mit wasserbasierten Tinten anfingen», ergänzt Tim Greene. «Solvent-Tinten scheinen in China und anderen Wachstumsmärkten aufgrund der niedrigeren Kosten die Haupttechnologie zu bleiben, während die entwickelten Märkte von den wasserbasierten und den Solvent-Tinten zu UV-Tinten wechseln. Mit der weiteren Entwicklung der Technologie gehen wir auch davon aus, dass die beständigen, wasserbasierten Tinten ebenfalls eine wichtige Rolle spielen werden.»

Die beständigen, wasserbasierten Tinten sind eine Technologie, die man genau beobachten sollte. Während HP mit seinen Latex-Tinten eine führende Position in diesem Segment einnimmt, meint Tim Greene, dass Unternehmen wie Sun Chemical und Sepiax bereits ähnliche Produkte entwickeln. Er ergänzt: «Diese Tinten eignen sich gut für einige piezobasierende Drucker, und das beinhaltet zahlreiche Geräte von Roland DG, Mutoh, Mimaki und Epson. Viele dieser Drucker könnten auf permanent wasserbasierte Tinte umgestellt werden und die Eco-Solvent-Tinte ersetzen, indem man das System einfach durchspült und die Druckköpfe wechselt.» Beständige, wasserbasierte Tinten sind vielleicht die Anwendung, die das Wachstum der UV-Tinten abbremsen und gleichzeitig den Niedergang der Solvent-Tinten beschleunigen könnten. Es wird äusserst spannend sein, zu sehen, ob führende Dienstleister es letztendlich für lohnenswert halten, mit ihren Systemen auf beständige, wasserbasierte Tinten umzusteigen, wenn diese Technologie weiter ausreift.

Interessanterweise waren laut einer Studie, die Fespa und Infotrends gemeinsam im Jahr 2011 durchgeführt hatten, Solvent-Drucker bei den befragten Druckereien immer noch die am häufigsten eingesetzte Technologie. Nur ein Drittel der Befragten gab an, mit wasserbasierter Tinte zu arbeiten. Und das obwohl der Trend weltweit in Richtung UV-härtende Tinten geht. Andrew Oransky, Director of Marketing and Product Management bei Roland DG, meint dazu: «Während die UV-Technologie verspricht, letztendlich die Solvent-Tinten bei vielen Anwendungen zu ersetzen, wird es noch einige Zeit dauern, bis die Preise von UV-Druckern das Niveau erreicht haben, das wir heute von den Solvent-Inkjet-Geräten kennen. Aus diesem Grund werden Solvent-Inkjet-Drucker auch weiterhin nachgefragt werden. Dies gilt vor allem für kleine bis mittelgrosse Druckereien, für die eine Investition in die UV-Technologie nicht finanzierbar ist.»

Erst die Veredelung macht das Druckprodukt

Die Veredelung ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Grossformat-Produktion und kann einem ansonsten banalen Projekt zu mehr Rendite und Wert verhelfen. Zum Beispiel erhöht allein das Hinzufügen von Ösen zu Vinyl-Bannern den Auftragswert unter Umständen schon um zehn US-Dollar pro Quadratmeter. Geschäftstüchtige LFP-Anbieter führen auch die Installation inklusive Montage der Hintergrundbeleuchtung aus und setzen Laserstanzen ein, um POP-Materialien, Fahrzeugbeschriftungen und andere Anwendungen zu veredeln. Sie bringen auch unterschiedliche Oberflächenqualitäten auf, entweder durch Laminieren oder mit Technologien, wie der von Inca Digital, die es ermöglicht, zwischen matten, satinierten und glänzenden Oberflächen zu wählen. Obwohl diese komplexeren Arbeiten in Hinblick auf Kosten und Gewinn schon schwerer zu bewältigen sein können als ein «Drucken, Stapeln, Ausliefern»-Konzept, wird ein Druckdienstleister, der diese lückenlose Palette von Dienstleistungen anbieten kann, sowohl seine Umsätze als auch seine Gewinne erhöhen, die Differenzierung auf dem Markt ausbauen und die Kundenbindung erhöhen.

Für die meisten Unternehmen stellen Drucken und Schneiden zwei völlig verschiedene Prozesse dar. Roland DG bietet jedoch eine patentierte Druck-/Schneide-Plattform an, die den Digitaldruck mit einem Konturschneidemechanismus kombiniert und den Produktionsprozess rationalisiert. So können Grafiken vom Entwurf bis zum fertigen Produkt automatisch produziert und mehrere ansonsten manuelle Schritte vermieden werden. Der neue 20-Zoll-Desktop-Drucker/Schneideplotter VersaStudio von Roland DG stellt den Grafikprofis diese Technologie bereits für unter 10 000 US-Dollar zur Verfügung und ist ideal für die Produktion von fertig veredelten Mustern und Modellen geeignet.

Marktanteile

Der Überblick über die weltweiten Marktanteile der Anbieter nach Tintentyp ergibt folgendes Bild:

  • HP, Canon und Epson sind die Weltmarktführer bei wasserbasierten oder wässrigen Inkjet-Tinten. HP ist die einzige grosse Marke auf dem Latex-Markt und hat laut Infotrends mehr als 5000 latexbasierende Drucker verkauft.
  • Im Eco-Solvent-Bereich ist Roland DG die Nummer eins. Das Unternehmen hält in Nordamerika doppelt so viele Marktanteile wie andere Anbieter. Mimaki und Mutoh liegen bei den weltweiten Marktanteilen auf Platz zwei bzw. drei. Oransky von Roland DG gibt an, dass der weltweite Marktanteil von Roland DG bei Eco-Solvent-Tinten 41,9 Prozent beträgt. Beim globalen UV-Markt sind es per Ende März 2011 5,6 Prozent.
  • Beim UV-Druck ist Océ Marktführer, gefolgt von Mimaki, HP und EFI. Ein Vorteil des UV-Drucks mit einem Flachbettdrucker besteht darin, dass man direkt auf starren Substraten mit einer Stärke von fünf Zentimetern und mehr drucken kann, sodass die spätere Montage und Laminierung des Produktes wegfallen können. UV-Drucker gibt es in Flachbett- und Rolle-zu-Rolle-Ausführung oder auch als hybride Modelle, die problemlos zwischen beiden Verfahren wechseln können.

Diese Anbieter werden auf der Drupa 2012 gut vertreten sein. Doch die Besucher sollten auch die Gelegenheit nutzen, kleinere Hersteller, wie das in der Tschechischen Republik ansässige Unternehmen Grapo Technologies, kennenzulernen, sowie nach innovativen neuen Produkten und Technologien Ausschau zu halten, die die grösseren Anbieter an ihren Ständen präsentieren.

Sich entwickelnde Märkte beschleunigen den Wandel

Eines steht fest: Der Markt der Grossformatdrucke entwickelt sich und erfolgreiche Akteure treiben diesen Wandel auf zwei Ebenen voran, so ein Ergebnis der gemeinsamen Studie von Fespa und Infotrends. Die Studie erläutert, dass die Dienstleister die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Entwicklungsstrategien haben: «Auf der einen Seite geht es um die Fähigkeit, die betriebliche Effizienz zu steigern, eine grössere Druckgeschwindigkeit zu erreichen, die Bildqualität zu verbessern, die Rentabilität zu erhöhen sowie die Umweltverträglichkeit und den Kundendienst zu verbessern. Auf der anderen Seite könnten Strategien entwickelt werden, um neue Dienstleistungen zu schaffen, neue Produkte aufzubauen, neue Kunden zu finden und neue Geschäftsmodelle einzurichten.»

Strategische Entwicklungsrichtungen

Die von diesen Unternehmen getroffenen strategischen Entscheidungen werden Auswirkungen auf die Art der Anlagen, Kunden und Anwendungen haben, denen sie sich dann zuwenden. Neben den im Rahmen der Befragung der Grossformat-Dienstleister erfassten quantitativen Daten stellt die Studie auch Fallbeispiele von Unternehmen vor, die diese Entwicklungswege beschritten haben. Drei von ihnen, die den Markteinstieg aus unterschiedlichen Ausgangspositionen heraus geschafft haben, werden hier als Beispiel für die Weiterentwicklung der Branche in Hinblick auf die Technologie, aber auch auf das Wettbewerbsumfeld zusammengefasst.

Neue Umsatzströme erschliessen

Das britische Unternehmen Alderson Print Group ist ein Beispiel für einen unkonventionellen Wettbewerber auf dem Schilder- und Display-Markt, aber ein immer häufigeres Phänomen. Die Akzidenzdruckerei, die seit 1963 im Geschäft ist, hat den Grossformatdruck als Wachstumsstrategie angesehen, mit der sie sinkende Umsätze im Offsetdruck kompensieren wollte. 2009 hat das Unternehmen einen speziellen POS-Geschäftsbereich aufgebaut, der sowohl mit Offset-Technologie mit Bogenzuführung von KBA als auch mit mehreren digitalen Grossformat-Inkjet-Rollendruckern von HP arbeitet.

Alderson nutzte diesen neuen Geschäftsbereich, um mit den vorhandenen Kunden mehr Umsätze zu erwirtschaften, ein Komplettanbieter zu werden und den Einstieg in neue Geschäfte mit neuen Kunden zu finden. Seit seiner Gründung hat dieser Geschäftsbereich die Umsätze im Jahresvergleich verdoppelt und erbringt nun 20 Prozent des Firmenumsatzes von 30 Millionen Pfund. Diese 20 Prozent Umsatz werden mit 30 von insgesamt 236 Mitarbeitern erwirtschaftet. Eine grosse Herausforderung für Alderson, aber auch für viele Akzidenzdruckereien, die sich für den Grossformatdruck entschieden haben, bestand darin, den zusätzlich benötigten, erheblichen Platz für die Produktion und die Weiterverarbeitung zu finden sowie die von den neuen Kunden geforderten Auftragserfüllungs- und Vertriebsleistungen zu erbringen.

Massive Graphics

Die in New Brunswick in Kanada ansässige Digitaldruckerei Massive Graphics hat sieben Angestellte und einen innovativen Chef. Das Unternehmen arbeitet mit drei Grossformatmaschinen – zwei Eco-Solvent-Druckern von Mimaki und einem Flachbettdrucker von Agfa – und ist auf dem Messe- und Einzelhandelsmarkt tätig. Im Jahr 2010 hat Massive Graphics die Chance gesehen, QR-Codes in sein Angebot aufzunehmen. Obwohl das Unternehmen für die QR-Codes keinen Extrapreis berechnet, haben die Kunden erkannt, dass die Codes die Wirkung ihrer Schilder- und Grafik-Kampagnen erhöht. Mit seiner QR-Code-Kompetenz positioniert sich Massive Graphics seinen Kunden gegenüber auch als Berater und hilft ihnen häufig in der Entwurfsphase, die QR-Codes auf grossformatigen Schildern wirkungsvoll zu setzen. QR-Codes erleichtern auch die Bereitstellung eines Links zu mehrsprachigen Informationen im Internet. Das ist im französisch- und englischsprachigen Kanada eine gängige Forderung und häufig auch Herausforderung.

QR-Codes stellen aber noch mehr Daten zur Verfügung. Die Unternehmen möchten eine direkte Reaktion bekommen, und QR-Codes sind eine hervorragende Möglichkeit, diese Informationen zu erhalten, da die Zugriffe auf die Codes kontrolliert werden. Innerhalb kürzester Zeit, nachdem dieses Grossformat-Unternehmen begann, QR-Codes anzubieten, wurde es von seinen Kunden als kompetent angesehen, auch umfangreichere und wirkungsvollere Kampagnen bei wenig Risiko zu produzieren, was seinen Wert erhöhte, da das Einbinden von QR-­Codes seitens der Druckerei kaum zusätzliche Investitionen erfordert.

Grosse Chancen für den grossen Eindruck

Der Grossformat-Inkjetdruck ist ein faszinierender Bereich des Druckgeschäfts. Er wächst, kann bessere Renditen als viele andere Segmente erzielen und die Technologie entwickelt sich weiter, um noch innovativere Kundenlösungen zu ermöglichen.

Die Drupa 2012 wird ein wichtiges Forum für Druckdienstleistern aus allen Bereichen sein, um die gesamte Palette der Optionen für den Einstieg in diesen lukrativen Markt zu prüfen. Die Besucher sollten sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, um sich selbst umfassend über die Geräte, Tinten, Veredelungslösungen und Anwendungen zu informieren und diese neue Geschäftschance möglichst profitabel zu nutzen oder nach Wegen zu suchen, ihre aktuellen Grossformat-Dienstleistungen auszubauen.

Die Besucher sollten aber auch unkonventionelle Werkzeuge und Lösungen berücksichtigen, die dazu beitragen könnten, ihre Betriebsabläufe zu rationalisieren. Die meisten, wenn nicht alle Zulieferer des Grossformat-Marktes bieten ein breites Spektrum an Lösungen für die Druckvorstufe, für Workflows und Veredelungslösungen, die den Grossformatdruck effizienter und kostengünstiger gestalten.

Die Autorin

Cary Sherburne ist Autorin und Marketing Consultant mit Fokus auf der Print- und Publishing-Industrie. Sie ist langjährige Redaktorin bei WhatTheyThink.com, einem News-Portal für die Print- und Publishing-Branche, schreibt aber auch für andere Magazine und hat diverse Bücher verfasst.

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