Cover Publisher 14-3

Schweizer Fachzeitschrift
für Publishing und Digitaldruck



c2p_Banner_Publischer_180x150_Ebenen


Direkt-Links zu Shop-Artikeln


Heft-Archiv >> 2010 >> Publisher 4-10 >> Tablet Publishing >> iPad-Publishing mit Adobes Workflow
Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken Artikel drucken

iPad-Publishing mit Adobes Workflow

Adobe verspricht, InDesign mit neuen Tools zum Autorenwerkzeug für das iPad-Publishing aufzurüsten. Der Publisher hatte Gelegenheit, die Betaversionen dieser Werkzeuge in der Praxis zu testen und erste Erfahrungen für eine eigene Publisher-App zu sammeln.

Martin Spaar Das iPad positioniert sich als Medium zwischen Print und Web und bietet Print-Publishern die Chance, mit vorhandenem Know-how den Schritt vom Papier in die Welt der digitalen Medien zu machen. Die Verleger haben rasch reagiert, sodass schon heute eine grosse Palette digitaler Magazine für das iPad verfügbar ist.

Adobe hat mit der Creative Suite 5 ebenfalls die Weichen in Richtung digitaler Magazine gestellt, dabei aber sehr stark auf Flash gesetzt. Mit dem rigorosen Entscheid, Flash gänzlich vom iPad zu verbannen, hat Apple Adobe auf dem linken Fuss erwischt. Das heisst, die neuen Funktionen, welche InDesign CS5 im Bereich der Interaktivität bietet, bringen vorerst für das iPad-Publishing nur wenig. Adobe arbeitet nun mit Hochdruck daran, InDesign-CS5-Anwendern Tools zum Erstellen von Magazin-Apps für das iPad zur Verfügung zu stellen.

Adobe-Tools basierend auf zwei AIR-Applikationen

Wir von der Zeitschrift Publisher hatten Zugang zu Adobes Pre-Release-Programm und werden eine iPad-App der Ausgabe 4-2010 als «Showcase» mit den frühen Betaversionen der Digital Publishing Tools und den darauf basierenden Tools des Redaktionssystems vjoon K4 produzieren. Das Vorgehen rein mit den Adobe-Tools, also ohne Redaktionssystem, ist dabei wie folgt (siehe Grafik im PDF):

1) InDesign: Die einzelnen Artikel werden in InDesign CS5 im Pixel-basierten Gestaltungsraster der iPad-App neu gelayoutet. Will man das Drehen des iPad unterstützen, gilt es je ein separates Layout für das Hoch- und das Querformat zu produzieren.

2) Interactive Overlay Creator: Der Interactive Overlay Creator ist eine AIR-Applikation und quasi der Werkzeugkasten, mit dem man zu den in Schritt 1 erzeugten statischen Seitenlayouts Interaktivität hinzufügt. Die dafür benötigten Inhalte werden in einer fest definierten Ordnerstruktur abgelegt, also zum Beispiel die einzelnen Bilder einer Slideshow (Bildstrecke). Der Output des Interactive Overlay Creators ist eine Platzhalter-Datei im Flash-Format (SWF). Darin sind die Verknüpfungen zu den extern liegenden Einzeldateien definiert, welche für die Interaktivität benötigt werden. Diese SWF-Datei wird in InDesign über das interaktive Element platziert, also zum Beispiel über dem Bildrahmen für die Slideshow.

3) Dateien in richtiger Ordnerstruktur ablegen: Nun werden auch die InDesign-Dateien in der in Schritt 2 vorbereiteten Ordnerstruktur abgelegt. Je Artikel gibt es einen Ordner.

4) Digital Content Bundler: Der Digital Content Bundler interpretiert die Ordnerstruktur und deren Inhalt und gibt eine Vorschau der einzelnen Artikel (Stacks). Hier lassen sich über Metadaten die interaktiven Funktionen zusätzlich steuern, zum Beispiel die Verlinkung einzelner Seiten. Auch die Reihenfolge der einzelnen Artikel in der Ausgabe (issue) wird hier definiert. Ist alles fertig aufbereitet, wird über die Export-Funktion die Issue-Datei herausgeschrieben. Diese enthält den ganzen Inhalt des digitalen Magazines.

5) Lokaler Test mit dem Digital Viewer: Adobe hat für das iPad einen Digital Viewer entwickelt, also eine iPad-App, welche die Issue-Datei auf dem iPad mit der ganzen Interaktivität zeigen kann. Zum Testen der Magazin-App wird zuerst die Viewer-App auf dem iPad installiert und anschliessend die Issue-Datei mittels iTunes auf das iPad übertragen.

6) Kompilieren der Issue-Datei zu einer Magazin-App: Zum Kompilieren der Magazin-App wird die Issue-Datei an Adobe übergeben, welche daraus eine IPA-Datei, also eine iPad-App erstellt. Dabei wird die Issue-Datei mit dem Digital Viewer zusammenkompiliert.

7) Publizieren im Apple App Store: Die fertige App (IPA-Datei) wird zum Veröffentlichen im App Store an Apple übergeben.

Schrittweise Vereinfachung des Workflows

Der hier beschriebene Workflow entspricht dem Arbeiten mit den Betaversionen der Digital Publishing Tools Stand August 2010 und ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Man darf davon ausgehen, dass Adobe das doch recht komplizierte Prozedere im Laufe der Entwicklung Schritt für Schritt vereinfachen wird. So ist es naheliegend, dass man künftig für interaktive Funktionen wie Slideshows statt des Interactive Overlay Creators die entsprechenden Funktionen respektive Plug-ins in InDesign CS5 nutzen wird. Eine erste Public Beta der hier beschriebenen Digital Publishing Tools will Adobe im Herbst in den Adobe Labs veröffentlichen. Aktuelle Informationen über den Stand der Entwicklung findet man unter www.adobe.com/digitalpublishing.

Einheitlicher Workflow

Adobes Konzept, InDesign als Autorenwerkzeug für das Tablet-Publishing zu nutzen und damit eine Issue-Datei zu generieren, welche von einem Viewer dargestellt wird, verspricht grosse Flexibilität bezüglich unterschiedlicher Tablet-Plattformen. Denn sehr lange dürfte Apple diesen Markt nicht mehr für sich alleine beanspruchen können. Noch vor Ende Jahr wird mit ersten Tablets mit Googles Android-Betriebssystem gerechnet, und auch HP zielt mit dem durch die Palm-Akquisition übernommenen WebOS in diese Richtung. Ein entsprechendes PalmTablet ist für Anfang 2011 angekündigt.

Adobes erklärtes Ziel ist es nun, einen möglichst einheitlichen Workflow für digitale Magazine für die unterschiedlichen Plattformen bieten zu können. Das heisst, der Publisher kann im Idealfall eine und dieselbe Issue-Datei mit je dem passenden Viewer für jede Plattform koppeln und so seine Inhalte für die verschiedenen Geräte zugänglich machen. Adobe hat bereits angekündigt, einen AIR-basierenden Viewer für Windows und Mac zu bringen und ebenfalls eine Viewer-App für Android.

Das Ganze gleicht somit sehr stark dem von Adobe Acrobat bekannten Konzept: Es gibt ein universelles Format für die Inhalte (PDF), das dank eines für alle gängigen Plattformen verfügbaren Viewers (Adobe Reader) auf unterschiedlichsten Geräten genutzt werden kann.

Sternstunde der Redaktionssysteme

Der Schritt vom eindimensionalen Print-Publishing zum parallelen Publizieren für Print und Tablet bedeutet weit mehr als eine Verdoppelung der Komplexität. Dies unter anderem deshalb, weil Magazin-Apps anders als gedruckte Zeitschriften mehrdimensional sind. Es hat sich nämlich schnell als Standard herauskristallisiert, dass man bei einem digitalen Magazin in der Horizontalen von Artikel zu Artikel blättern, in den Artikeln selbst aber vertikal, also von oben nach unten durch die einzelnen Seiten des Artikels. Nun kommt noch dazu, dass diese zweidimensionale Seitenfolge parallel für das Hoch- und Querformat umgesetzt werden muss. Treten nun noch Sprach-, Text oder Bildvarianten (z. B. für Hoch- und Querformat) dazu, landet man rasch bei einer Komplexität, die sich nur noch mit einem Redaktionssystem vernünftig bewältigen lässt. Die beiden auf diesem Gebiet führenden Anbieter vjoon und WoodWing haben die Chance früh erkannt und statten ihre Systeme zurzeit mit den für das Tablet-Publishing nötigen Funktionen aus. Der Artikel auf der folgenden Doppelseite zeigt das Vorgehen mit WoodWing Enterprise anhand des Beispiels des Programmheftes der swiss publishing week.

Publisher-App mit vjoon K4

Den Publisher-Showcase werden wir mit vjoons K4 und Unterstützung des Systemintegrators Topix umsetzen. vjoon K4 integriert bereits die Betaversion der oben beschriebenen Adobe-Tools und verspricht gegenüber dem oben beschriebenen «händischen» Erstellen eines iPad-Magazines ganz entscheidende Vereinfachungen: Die ganzen Daten werden von vjoon K4 komfortabel verwaltet, und das manuelle Ablegen der Daten in der richtigen Ordnerstruktur (Schritt 3) entfällt. Der Digital Content Bundler (Schritt 4) wird beim Arbeiten mit K4 ebenfalls nicht benötigt, da das Redaktionssystem die für das Anordnen der einzelnen Artikel (Stacks) und das Definieren der entsprechenden Interaktivität nötigen Werkzeuge selbst bietet. Am Schluss werden die Issue-Dateien entweder mit einer manuell auslösbaren Aufgabe oder über den Workflow vollautomatisiert aus K4 generiert.

Publisher-App mit vom Print völlig emanzipierten Design

Mit dem Design der Publisher-App betrauten wir die Agenturtschi, welche vor zehn Jahren auch das Layoutkonzept der Printausgabe entwickelt hatte. Dabei zeigte es sich rasch, dass die Publisher-Schrift «Quay» für die Darstellung am iPad wenig geeignet ist. Diese läuft auf dem Screen zu eng und hat zu stark geschlossene Buchstaben-Innenräume. Wir beschlossen also, uns von der alten Hausschrift und damit auch vom alten Design des gedruckten Publishers völlig zu verabschieden: Als Schriften kommen nun die Clan und die Soho zum Zuge und als redaktionelle Begleitfarbe Orange (siehe Abbildung links oben).

Da die Publisher-App mit Beta-Software realisiert wird, können und wollen wir keine genauen Angaben zum Veröffentlichungstermin machen. Geplant ist ein Erscheinen im Laufe des September. Unsere Abonnenten werden wir per Mail informieren, wenn es so weit ist. Alle anderen finden entsprechende Infos unter www.publisher.ch.

Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken