Cover 14-5

Schweizer Fachzeitschrift
für Publishing und Digitaldruck


Heft-Archiv >> 2006 >> Publisher 1-06 >> Prepress >> QuarkXPress 7: Fleissige Biene oder stechlustiger Moskito
Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken Artikel drucken

QuarkXPress 7: Fleissige Biene oder stechlustiger Moskito


Quark XPress 7 PublicBeta

Fleissige Biene oder stechlustiger Moskito

Die PublicBeta von Quark XPress 7 steht seit Januar zum Download bereit und lädt dazu ein, die neueste Version des Layoutklassikers auszuprobieren und die Neuerungen zu entdecken. Feedback wird für die finale Version berücksichtigt.

SEBASTIAN NAFROTH UND JÖRG OYEN Die Beta-Version von Quark XPress 7 ist ist neben der Download-Version auch auf CD-ROM erhältlich. Die Beta-Version auf CD-ROM besteht aus zwei CDs. Die eine enthält die Anwendung, die andere umfasst umfangreiches Filmmaterial in englischer Sprache und bringt die Neuerungen auf den Punkt. Wir haben die Ton- und Videospur vorübergehend abgeschaltet und die aus unserer Sicht ersten wichtigen Funktionen und Neuerungen nachfolgend näher durchleuchtet.

Aufgepasst, noch ist Quark im Beta-Stadium, ein gutes Zeichen dafür, dass die eine oder andere Funktion ergänzt und die bis jetzt schon frei geschaltenen Funktionen noch weiter verbessert werden. Quark bittet daher um konstruktives Feedback bis zum 31. März 2006. Wir können gespannt sein, wie sich das auf die finale QuarkXPress 7 Version auswirken wird. Damit könnten die Karten für ein annähernd perfektes Produkt im engen Markt der Layoutprogramme neu gemischt und auch verteilt werden.

Ordnung – willkommen zu Hause

Startet man Quark 7 zum ersten Mal, fällt neben dem neuen Programm-Icon in der Programmleiste nichts Augenfälliges auf. Alles ist so, wie man ein wohl behütetes Haus nach einer langen Reise wieder vorzufinden mag. An gewohnten Stellen finden sich die bekannten Werkzeuge. Das Tuning liegt dabei tatsächlich auch mehr unter der aufpolierten Motorhaube.

IntelMac Ready

Wenn man den Aussagen auf der jüngst im Januar stattgefundenen Mac Expo in San Francisco Glauben schenkt, wird QuarkXPress 7 das erste «native», sprich Universal Binary Layoutprogramm für die neuen Intel Macs sein. Wie sich das auf den täglichen grafischen Umgang positiv niederschlägt, wird die nahe Zukunft zeigen. Erste Benchmarks der neuen Mac-Prozessoren deuten auf einen Performancesprung von Faktor 2 bis 4 hin.

Echtzeit Farbe

Warum Farbe nur im Proof verbindlich freigeben können? Das haben sich auch die Entwickler von Quark gedacht und haben eine innovative Kombination zwischen gewohnten Arbeitsschritten und bekannten Fehlerquellen erstellt. Je nach Ausgabe – als Druckobjekt, Web oder PDF – werden mit den aufgebohrten Ausgabestilen und den neuen Kontrollinstanzen (zum Teil sehr tiefgehende Regelwerke der Job Jackets) offensichtliche Fehler direkt im Layout überprüft und somit schon vor der Ausgabe weitgehend verhindert.

Gerade bei hohem grafischem Durchsatz sind die neuen Druckstile ein wesentlicher Schritt, um schnell zwischen unterschiedlichsten Ausgaben und Produktionen zu jonglieren, zu navigieren und «just in time» besser fertig zu werden.

Kontextbezogene Einstellungen

Die Mac-User können ein Lied von scheinbar nicht zu Ende gedachten Eingabegeräten – in diesem Fall der klassischen Apple-Maus – singen. QuarkXPress 7 hat ein zunächst etwas gewöhnungsbedürftiges neues Objekt- bedienungskonzept in der Masspalette integriert.

Je nach dem, mit welchen Werkzeugen der Anwender seiner Gestaltung gerade zu Leibe rückt, werden weitere passende Einstellungsmöglichkeiten oberhalb der Masspalette als Reiter-Icons angeboten. Ein Klick auf den Reiter und schon sind weitere Einstellungen direkt per Eingabe möglich. In der Praxis geht das tatsächlich zum Teil schneller und auch intuitiver als ein Control-Klick für die imaginäre zweite Maustaste oder ein Tastaturkürzel, um kontext-bezogene Objekt und Inhaltseinstellungen eingeben zu können.

Die Liste der Kontextmöglichkeiten wirkt sich primär auf die Einstellungen für Objekt und Inhaltseigenschaften aus. Dazu gehören Randstil, Umfluss, Ausschnitt, Abstand und Ausrichtung (Neu dabei: Die Ausrichtung kann auch in Bezug auf die Seitengeometrie angewandt werden.), Schlagschatten, Text, Zeichen-, Absatzattribute und Tabulatoren.

Was könnte besser sein?

Leider fehlen in der PublicBeta-Version von QuarkXPress 7 einfache Möglichkeiten, Inhalte schnell an einen Rahmen anzupassen. So sind per Tastaturkürzel nur bedingt Bildanpassungen an einen Rahmen möglich. Anpassungen von Textinhalten an einen Rahmen sind als Funktion – so scheint es –­ übersehen worden.

Remote Control für Patchwork

Gute Gestaltung und Inhalt gepaart mit korrekten Einstellungen sind ein Garant für funktionierende Produktionen. Da aber nicht alles auf einer Schulter abgestellt werden kann, greifen hier die Composition-Zones und die schon aus der Version 6.5 bekannte und in der Version 7 erweiterte Synchronisierungsfunktion effektvoll ein. Letztere hat ihren «Charme» in der dynamischen und dokumentübergreifenden Nutzung von Inhalt und Rahmenattributen. Konkret heisst das, dass ein zum Beispiel komplexer Logosatz, sich vom Original an, in jeder Verwendungsstelle anpassen lässt. Von Seite zu Seite und von einem Dokument zum anderen.

Ein wenig in Konkurrenz treten dazu die Compostition-Zones, die es im Gegensatz dazu ermöglichen, Gestaltungskompositionen aus einem Dokument zu lösen und so ein Arbeiten an Dokumenten im Dokument ermöglichen.

Teile einer Gestaltung werden als intelligente Container geparkt. Im Hintergrund wird ein auf die Composition-Zone-Geometrie passendes Einzeldokument vorgehalten. Dieses kann losgelöst vom Original editiert, neu bestückt und bepackt werden. So steht es dem gestalteten Gesamtwerk (WYSIWYG) ohne Qualitätsverluste zur Verfügung. Arbeiten können auf einer Seite oder bei einem umfangreicheren­ Objekt auf viele Schultern verteilt werden.

Genauer – Zeichenfolgen als Vektorgrafik

Eine alte Funktion aus Quark 6.5 fristet bis dato ein eher trauriges Dasein – Text in Rahmen. Mal eben schnell aus einer Zeichenfolge eine Vektorgrafik erstellen, so war es gedacht. Das Ergebnis war allerdings nicht sonderlich überzeugend und wurde, wenn überhaupt, in die Schublade «bedingt künstlerisch wertvoll» gepackt. In Quark XPress 7 gibt diese Funktion schon wesentlich mehr her. Schnell einen Logofont entwickeln, ohne das Programm verlassen zu müssen. Das Ergebnis kann nun als Grundlage für konzeptionelle Artworks verwendet werden.

Konstruktive Weiterentwicklung

Quark hat den Ruf der Anwender vernommen: «Wir arbeiten nicht projektbezogen, wir kennen und nutzen nur Einzeldokumente …». Das war vor QuarkXpress 6 so auch üblich. Doch wie jede Software Company kann auch Quark nur verhalten auf neue zukunftsweisende Funktionen hinweisen. In diesem Fall wurde das konstruktive Feedback erhört und bei der Neuanlage eines Quark-Projektes – Pardon Quark-Dokumentes – mit der Option Einzellayoutmodus Abhilfe geschaffen. Welche weiteren Verbesserungen sich in einer künftigen Version niederschlagen werden, wird von der Quantität und der Qualität des Feedbacks seitens der Anwender abhängen.

Um es an dieser Stelle schon mal vorwegzunehmen. Das Sichern in ältere QuarkXPress-Versionen ist zum jetzigen Zeitpunkt für die Version 6.0 vorgesehen. Der Austausch mit älteren Quark-Versionen oder gar anderen Layoutanwendungen ist flinken Dritt­anbietern wie Markzware vorbehalten. Diese werden den erweiterten Funktionsbedarf der Anwender lösen. Am besten erst mal die Neuerungen der Version 7 praktisch anwenden und wirken lassen. Dann wird auch die Liste der zu ergänzenden Funktionen übersichtlicher.

 

 

Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken