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Schriften für Zeitungen und Magazine

In der letzten Ausgabe war an dieser Stelle von Leserlichkeit die Rede. Diesmal befassen wir uns mit Mengensatzschriften und deren Gliederungsmöglichkeiten.

RALF TURTSCHI Die Leserlichkeit ist überall, wo lange und anhaltend gelesen wird, also bei Büchern, Zeitungen und Magazinen, sehr wichtig. Wie ich in der letzten Ausgabe geschildert habe, sind Serifenschriften per se nicht besser leserlich als serifenlose. Sie sind jedoch etwas platzsparender, weil die Serifen einen etwas kleineren Zeilenabstand ermöglichen. Aus diesem Grund werden die meisten Werke mit Serifenschriften als Grundschrift ausgestattet. In diesem Aufsatz werde ich mich deshalb auf ein paar Serifenschriften konzentrieren, aus Platzgründen wird nicht das ganze Repertoire gezeigt.

Etwas ernüchtert stellt der Typobeobachter fest, dass bei Büchern oder auch Magazinen die ewig gleichen Fonts verwendet werden. Es kommt einem so vor, als wäre seit der Schaffung der Times New Roman 1931 das Fontdesign stehen geblieben. Immer wieder wird die gute alte Garamond, die aus dem 16. Jahrhundert stammt, in allen möglichen Ausprägungen hervorgekramt, oder die Palatino, die New Century Schoolbook, die Caslon, die Bodoni und wie die alten Fonts alle heissen. Junge Grafiker lieben Retro und was sie «halt eben so auf ihrem Rechner finden». Seit Dokumente auf dem Screen betrachtet und gelesen werden, ist eine neue Ära angebrochen, alte Schriften vermögen nicht mehr mitzuhalten. Es wird eine andere Zurichtung gefordert, die Buchstaben müssen offener sein und nicht zu eng aneinander stehen. Solche Design­merkmale sind erst in den Fonts der späten 90er-Jahre zu sehen. Auch das OpenType-Format ist heute ein Muss für alle zeitgemässen Fonts, sie bieten bezüglich Glyphenumfang (Tabellenziffern, Mediävalziffern, Brüche, Fremdsprachen usw.) oder Kompatibilität unverzichtbare Vorteile.

Zeitungsschriften

Früher wurden Zeitungsschriften für den rotativen Hochdruck gezeichnet. Bleisatz und Stereotypie verursachten ein Verbreitern des gesamten Schriftbildes. Die Zeichnung war dementsprechend fein ausgelegt, weil im Druck die Feinheiten dicker ausgegeben wurden. Heute ist der moderne Zeitungsdruck in der Lage, die Schriften bis in die spitzesten Feinheiten zu drucken. Die Digitalisierung der Bleischriften führte dann oft zu einem viel zu spitzen Resultat, so sind zum Beispiel Bodoni oder Didot als Leseschrift völlig untauglich.

Bei den Zeitungen ist das dünngelbliche Papier der Grund, dass die Schriften nicht allzu fein gehalten werden sollten. Der Kontrast vom Papier zur Schrift ist gemildert, deswegen sind gröbere Fonts, die einen kleinen Kontrast aufweisen, geeigneter. Der Kontrast wird als das Verhältnis der dicksten zur dünnsten Stelle einer Schrift bezeichnet, zwischen dem Stamm und einem Querstrich. Kräftigere Schriften sind im Grundtext besser leserlich und für sehschwächere, ältere Menschen angenehmer. Während im Zeitungsdesign Gestalter am Werk sind, welche diese Zusammenhänge verstehen, werden Magazine oft von Kunterbuntdesignern entworfen, denen das Verständnis für Leserlichkeit abgeht. Grundtexte sind oft zu spitz, unleserlich und besitzen zu wenige Abstufungen.

Hin und wieder lassen grosse Konzerne oder Verlage eigene Zeitungsschriften entwerfen, weil sie dafür Exklusivität erhalten und Entwicklungskosten zahlen, statt Hunderte von Lizenzen zu finanzieren. Kleine Verlage oder Lokalzeitungen bedienen sich heute «klassischer» Zeitungsschriften wie Excelsior, Gazette, Poynter, Centennial, LinoLetter, Corona, Utopia oder Times. Sie zeichnen sich durch Formen des letzten Jahrhunderts aus: rund mit harmonisch abgestimmten Überläufen zu den Geraden. Neuere Fonts sind oft kantiger und prägnanter, sie verfügen über mehr Charakter. In der Grundschrift ist der Schriftcharakter aber nicht augenfällig, der Text wirkt als Graufläche. Hingegen prägen die Titel das Aussehen der Zeitung sehr stark. Als kantiges Beispiel nenne ich die Swift des Holländers Gerard Unger, der auch die exzellente, aber sehr teure Gulliver geschaffen hat.

Formale Kriterien für Leseschriften

Der Font sollte so mit Glyphen ausgestattet sein, dass auch fremdsprachige Namen mit allen möglichen Akzenten gesetzt werden können. Die sonst übliche Unterteilung der Strichstärken in Light, Regular, Bold und Black muss besonders gut angeschaut werden. Schriftgrössen in Zeitungen sind etwa 8,5 bis 9,5 Punkt gross. In diesen Grössen sollte die Schrift angesehen werden. Light ist dann oftmals zu spitz, Regular schon wieder zu fett. Schriftstärken unterliegen jedoch keiner Normierung, das heisst, eine Light kann durchaus gleich dick wie und/oder grösser sein als die Regular einer anderen Schrift. Ideal sind Zwischenstärken wie Semi Light oder auch Semi Bold, damit eine feinere Abstimmung möglich ist. Selbstverständlich sind alle Fonts auch mit Italic ausgestattet. In einer Zeitung gibt es eine grosse Zahl von Gliederungen, die eine Schrift bewältigen muss: Titelgrössen, Zwischentitel, Kästchentexte, Zitate, Rubriken, Interviews usw. Das alles ist mit einer Schrift leichter zu bewältigen, die in ihren Strichstärken üppig ausgebaut ist. Wenn eine Grundschrift wie die Monotype Garamond nur gerade die Stärken Regular und Bold aufweist, dann ist sie untauglich. Schöne Grüsse an das Magazin des Tages-Anzeigers.

Eine Besonderheit ist die Variation des Charakters im Sinn einer Unterscheidung des Grundtextes und der Titelschriften. Bei der Greta gibt es eine Textschrift, eine Displayschrift und eine Spielart names «Grande». Damit lassen sich innerhalb der gleichen Charaktermerkmale visuell sichtbare Kombinationen erreichen. Die Greta Grande und die Greta Display eignen sich eher für grosse Grössen ab etwa 18 Punkt, die feinen Serifen wirken gross sehr edel und klassizistisch. Die Greta Text hingegen ist speziell für kleine Grössen um 8 bis 9 Punkt gezeichnet, die Strichstärken und der Kontrast sind dafür geschaffen. Umgekehrt funktioniert eine Mischung natürlich nicht: Die feinen Serifen der Greta Grande oder der Greta Display würden bei 8 Punkt «durchfallen».

Die paar Beispiele werden dem heutigen Sortiment bei weitem nicht gerecht. Es ging hier jedoch darum, Alternativen aufzuzeigen, um vom Ewiggestrigen loszukommen. Noch nie gabs eine derart grosse Auswahl in einem so grossen Umfang zu solch günstigen Preisen. Die Wahl und die Gestaltung gehören jedoch in professionelle Hände, soll ein Zeitungsrelaunch erfolgreich enden.

Fontquellen

 

Die abgebildeten Fonts FF Yoga Serif, FF Yoga Sans, FF Tisa wurden freundlicher­weise von Fontshop (www.fontshop.de) zur Verfügung gestellt. Von Typotheque (www.typotheque.com) stammen die Fedra und die Greta. In den Abbildungen sind aus Platzgründen nicht alle Schriftschnitte enthalten.

Weitere Fonts, die man bei der Wahl einer Grundschrift für Zeitungen und Magazine genauer anschauen sollte:

 

www.fontshop.de

FF Tanger Serif, FF Milo

www.lucasfonts.com

TheAntiqua, Taz, QuaText

www.garagefonts.com

Freight

www.typotheque.com

Brioni

www.daltonmaag.com

Cordale

www.gerardunger.com

Coranto, Gulliver, Vesta

www.linotype.com

Kepler, Utopia

 

Schweizer Vertriebspartner:

www.protype.ch

www.fonts-pc-mac.ch

 

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